Putins Sprengstoffdrohne und die SVP

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Eröffnet hat NZZ-Chefredaktor Eric Gujer den Leitartikel der NZZ vom letzten Samstag (15.8.2026) mit der Beschreibung des «ersten militärischen Angriffs eines Staates auf Deutschland seit 1945». Eine Sprengstoffdrohne hatte auf dem Flugplatz Leipzig eine ukrainische Frachtmaschine mit Nachschub für die Ukraine getroffen, ohne dass die Drohne explodierte.

Geschlossen hat NZZ-Chefredaktor Eric Gujer seinen Leitartikel mit dem Aufruf an seine Leserschaft, «sich von einer Diktatur und ihren Claqueuren in AfD oder SVP nicht einschüchtern zu lassen.»

Die Geschichte gemäss Eric Gujer

Die Drohne war bestückt mit Sprengstoff, «wie ihn Geheimdienste verwenden». «Eine DNA-Spur führt zu einem anderen Anschlag, den die Ermittler dem russischen Geheimdienst zuschreiben». Auch hinter dem misslungenen Anschlag vom 20. Juli 2024 mit einer Paketbombe auf dem Flugplatz Leipzig wird der russische Geheimdienst vermutet. Für Gujer liegt der Verdacht auf der Hand: «Nur Russland will den ukrainischen Nachschub unterbinden. Nur Russland hat ein Interesse, Deutschland von der Unterstützung der Ukraine abzubringen».

In der Online-Version der NZZ wird Gujer noch etwas deutlicher: «Moskau provoziert – zuletzt mit dem Anschlag am Flughafen Leipzig. Doch Europa scheut sich, Putin als Feind zu benennen.»

Meine alternative Geschichte

Eric Gujer ist auf Grund seines Studiums und seiner langjährigen journalistischen Tätigkeit in Deutschland (DDR und Bundesrepublik), Russland und Jerusalem ein Experte erster Ordnung zu diesem Thema. Trotzdem erlaube ich mir als Querdenker und ehemaliger Infanterist folgende Frage: Warum ist die Drohne am ukrainischen Flugzeug nicht explodiert? Das Einfachste an der komplexen Drohnenoperation ist doch die Zündung der Bombe. Das schafft mit Sicherheit jeder Schweizer Grenadier.

Wenn das Versagen der Drohnenbombe kein Versagen war, sondern Teil des Plans, dann kommt als Urheber primär nicht der russische, sondern der ukrainische Geheimdienst in Frage. Mit der vermeintlichen russischen Bedrohung wird Deutschland damit ins Lager der Russlandfeinde getrieben. Ziemlich clever. Natürlich ist diese alternative Geschichte meine reine Erfindung.

Gujer bezeichnet in seinem Artikel Putin als Psychologen. Das ist dieser aufgrund seiner langen Geheimdienstkarriere und seines Aufenthalts als KGB-Offizier in Dresden zweifellos. Der russischsprachige Selenskyj ist als Sohn einer ukrainischen, intellektuellen jüdischen Familie mit Bestimmtheit ein ebenso guter Psychologe, der sicher auch eine solche alternative Geschichte ausdenken könnte. Dies wäre dann keine reine Erfindung.

Europas Angst vor Russland

Im Hauptteil seines Leitartikels geht Eric Gujer auf die Angst des Westens, insbesondere Europas, vor Russland ein. Und er schreibt: «Schon damals [2014 Überfall auf Krim] hätte man Kiew mit Waffen beliefern müssen, was weder für Washington noch für Berlin oder Paris infrage kam». Das ist keine nachträgliche Besserwisserei von Gujer, sondern ein Rückgriff auf seine früheren Schriften.

Bereits im Februar 2015, bevor er Chefredaktor der NZZ wurde, schrieb Gujer unter dem Titel «Waffenhilfe ist überfällig»: «Westliche Militärhilfe für die ukrainischen Streitkräfte ist jedoch nötig, um Moskau zu ernsthaften Friedensverhandlungen zu bewegen». Damit fand Gujer in Deutschland, das in der Mutti-Merkelschen Harmonieblase lebte, kein Gehör. Merkel und ihre Verteidigungsministerin von der Leyen hatten jede «militärische Lösung» mit einem Denkverbot belegt. «Sie behaupteten, Diplomatie und die Anwendung von Waffengewalt schlössen sich gegenseitig aus».

Es lässt sich heute trefflich darüber streiten, wie sich die Geschichte entwickelt hätte, wäre Europa, und insbesondere Deutschland, dem Rat des Historikers und Russlandkenners Gujer gefolgt. Vieles spricht dafür, dass sich Europa und insbesondere die Bundesrepublik in einer politisch und strategisch weniger kritischen Lage befinden würden. Gujer fragt: «Besitzt Deutschland – und mit ihm ganz Europa – die notwendige Willensstärke, oder kapituliert es wieder einmal ein bisschen?»

Gujer definiert die Neutralität

Ratlos lässt uns Eric Gujer mit dem Schlussabschnitt seines lesenswerten Leitartikels. Er schreibt über die Meinung von Christoph Blocher zum Verhältnis zwischen Russland und der Schweiz folgendes: «Ratlos fragt man sich, ob das nur Geschichtsklitterung ist oder die bewusste Legitimierung russischer Aggression.» Und Gujer optiert für letzteres. Dafür spreche auch die Unterstützung Russlands für die Neutralitätsinitiative der SVP.

Seit der Rede des NZZ-Chefredaktors an der Generalversammlung der AG für die Neue Zürcher Zeitung von 2024 kennen wir die Gujersche Definition der modernen Neutralität: 1. Keine Bündnisverpflichtungen, 2. Keine direkte Beteiligung an Kriegen. 3. Über tagespolitische Fragen entscheidet die Regierung gemäss Staatsräson. 4. «Die Schweiz bekennt sich zur westlichen Gemeinschaft und leistet einen aktiven Beitrag, dass Putin und Konsorten die Welt nicht nach ihrem autoritären Willen umgestalten können».

Natürlich darf Gujer seine Begriffe nach seinem Gusto definieren. Der Kodifizierung der Rechte und Pflichten eines neutralen Staates gemäss der Zweiten Haager Friedenskonferenz von 1907 entspricht seine Definition nicht. Diese verlangt die «Enthaltung eines Staates von jeglicher Beteiligung an einem Krieg zwischen anderen Staaten und die Wahrung einer unparteiischen Haltung gegenüber den Kriegsparteien».

Die Diktatur-Claqueure in AfD und SVP

Im Falle des Kriegsakts von Leipzig und der tatkräftigen Unterstützung der SVP-Neutralitätsinitiative durch das Moskauer Aussenministerium geht es für die Schweiz gemäss Gujer «um Selbstbehauptung und darum, sich von einer Diktatur und ihren Claqueuren in AfD oder SVP nicht einschüchtern zu lassen».

Das ist doch für das Weltblatt NZZ intellektuell äusserst dürftig.

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