Rekordbeteiligung, AfD-Triumph, CDU-Absturz: Sachsen-Anhalt hat gewählt. Schweizer Meinungsmacher antworten mit Wählerbeschimpfung und Hitler-Assoziationen.
43,8 Prozent für die AfD, 17,2 Prozent für die CDU. Deutschlands bisherige Regierungspartei verliert in Sachsen-Anhalt fast zwanzig Prozentpunkte. Die ausgegrenzte Konkurrenz wird mit gewaltigem Abstand stärkste Kraft. 77,8 Prozent der Wähler gingen an die Urne. Auch das ist ein Rekord. Die AfD mobilisierte rund 170’000 bisherige Nichtwähler. Menschen, die sich abgewandt hatten, machten wieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch.
Die Brandmauer wird zum Grabstein
Die AfD spricht von einem «Volksaufstand an der Wahlurne». Ihr schärfster Befund gilt der CDU: Sie habe eine Brandmauer errichtet, ohne die wachsende Repräsentationslücke zu schliessen. Deshalb werde diese Mauer zu ihrem Grabstein.
Björn Höcke nennt die AfD die einzige Volkspartei im Osten. Seine Prognose für ganz Deutschland muss sich erst bewähren. Die deutsche Classe politique jedenfalls ist starr vor Schreck, und der unbeliebte Kanzler steht am Abgrund.
Hitler im Titel – Hitler im Kopf
Auch die Schweizer Medien taumeln im Schockzustand; was sie dringend benötigen, ist ein Care-Team. Statt Analysen liefern sie Abwertung und Arroganz: «AfD gleich stark wie Hitlers NSDAP 1932» titeln zum Beispiel die schreckgereizten «Tagblätter» der CH-Medien. Der Untertitel räumt zwar unterschiedliche Parteien und historische Zusammenhänge ein. Doch die Schlagzeile hat ihre Wirkung bereits entfaltet: AfD, Hitler, NSDAP.

SRF zeigt Hitlerschnäuzchen
Das SRF wiederum zeigt Ulrich Siegmund mit erhobenem rechtem Arm und dunklem Schatten unter der Nase. Soll das bewusst Hitler-Assoziationen wecken?

Bildausschnitt SRF aus den sozialen Medien.
Der Fairness halber muss man auch sagen, dass ich das Bild auf der Homepage von SRF nicht so gefunden habe. Vielmehr ist dort auch die Hand Siegmunds mit «Daumen hoch» zu sehen. Einen Hitlergruss zeigt das Foto also nicht. Die Bildwirkung darf man trotzdem kritisieren. Auch ein unverändertes Foto kann dämonisieren.
Mike «Mülltwitterer» Müller
Den Tiefpunkt in der Schweiz liefert einmal mehr der gut gebührengefütterte «Komiker» Mike Müller. Die hunderttausenden Wähler nannte er – diffamierend, naziverharmlosend, geschichtsdumm – «Nazis».

CH-Medien relativieren Verharmlosung
Die CH-Medien – vom «St. Galler Tagblatt» bis zum «Badener Tagblatt» – wiederum standen dem wählerverachtenden Müll(er)twitterer sogleich bei. Einen kleinen Fehler soll der «üblicherweise faktenorientierte Politbeobachter» (so das Tagblatt über den Mann, der alle Ungeimpften öffentlich als «Arschloch» betitelte) gemacht haben: Es waren 600’000 Stimmen, nicht «eine knappe Million».
Müller räumt ein, die Zahlen nicht genau recherchiert zu haben. Gefährdet Müller mit seinen faktenfreien Hassposts sein Luxus-Lotterbett im nepotischen SRF-Altersheim? Im Gegenteil.
Wähler lassen sich nicht wegschimpfen
Die beschränkte und revisionistische «Berichterstattung» unserer Medien samt Support für abgehalfterte Staatskomiker mit aufgedunsenen Gaga-Ansichten ist nicht einmal originell. Sie kopiert anspruchslos die «gesichert rechtsextrem»-Keule der deutschen Berichterstattung. Sie erklärt aber nicht die Motive der Wähler. Die AfD muss sich an ihrem Programm und an ihrem Handeln messen lassen.
Wer Vertrauen zurückgewinnen will, muss überzeugen. Wer stattdessen Wähler beschimpft, verdient die Entfremdung.
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